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NRZ / Neue Rhein Zeitung vom Montag, 19.09.2005
"Inzwischen leben wir ganz normal"
Auf der Suche nach Verbündeten Selbsthilfe / 40 Gruppen stellen ihre Arbeit vor. Auch das Schulprojekt: Verrückt, na und ?
Luftballons zieren Info- Stände, die Lebenshilfe verkauft Bratwurst, der Blindenverein stellt Visitenkarten zum Ertasten vor und auf der Bühne vor dem Rathaus zeigt Pantomine Nemo sprachlose Kunst. 40 Organisationen stellten am "Selbsthilfetag 2005" ihre ehrenamtliche Arbeit vor. Doch es schlenderten nur wenig Neugierige über den Rathausvorplatz Wen interessieren schon Selbsthilfegruppen?
Antwort gibt die Statistik des Gesundheitsamtes. Zwischen März und Dezember 2004 haben 1875 Düsseldorfer im Selbsthilfe- Servicebüro der Stadt nachgefragt. Am häufigsten wurde um Informationen zu Gruppen im Bereich der psychischen Krankheiten gebeten, wie Depression, Panik oder Sucht. Weiterer Anlass waren schwierige Lebenssituationen, Mobbing oder Trennungen. Doch die 200 Düsseldorfer Selbsthilfegruppen decken ein weitaus größeres Spektrum ab. Ihre Palette reicht von Autismus bis Zwangserkrankungen. Anziehend heiter ging es am Stand von "triplet" zu. So nennt sich die Gruppe der Eltern, die Kinder mit Down-Syndrom haben. "Etwa jedes 700. Kind kommt mit der genetischen Veränderung des 21. Chromosom zu Welt", erklärt Jochen Wiegand. Der 33- Jährige ist Vater zweier Kinder, Anouk (6) und Jan (4). "Zuerst war es ein Schock, als wir erfahren haben, dass unser Sohn betroffen ist. Aber dann haben wir schnell begriffen, dass es nicht so schlimm ist. Inzwischen können wir mit Jan ganz normal leben", erklärt Wiegand. Ihr Kinderarzt hatte die junge Familie auf die Treffen andere Eltern mit gleichen Erfahrungen hingewiesen. Auch Andreas Kernchen ist von Sinn und Zweck des Erfahrungsaustausches überzeugt, er hat darum seine Geschichte ins Internet gestellt. Sein Leben kippte um, als er in Schichten arbeitete, einen Meisterkurs belegte, ein Neugeborenes zu Hause hatte und es Querelen in der Familie gab. Inzwischen ist sein Leben wieder geregelt, er geht "normal" zu Arbeit. Aber es ist ihm wichtig geworden, Vorurteile abzubauen. Darum hat er das Schulprojekt "Verrückt - na und!" gegründet. Auf Anfrage besucht er Klassen und erzählt von seiner Krankheit. Denn das Motto des Selbsthilfetages lautet nicht von ungefähr: "Mittendrin statt außen vor".
Neue Gruppen: Familienhilfe Darmkrebs.e.V., Selbsthilfegruppe Übergewicht, Eltern und Angehörige todkranker Kinder, Treff von Müttern mit Behinderungen, Existenzängste, Kaufsucht, Junge Frauen mit Brustkrebs, Psychosegruppe. Kontakt: Selbsthilfe-Service- Büro, Kölner Straße 180, Tel.: 889-2244 (Pamela Broszat)
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