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Einleitung
Krankheitsausbruch
Med. Rehabilitation I
Med. Rehabilitation II
Arbeitsversuch
Rehaantrag
Arbeitslosigkeit
Zwischendurch
Berufl. Orientierung
Umschulung
erneute Arbeitslosigkeit
berufl. Wiedereinstieg
RĂĽckfall
berufl. Etablieren
Krise & Chance 2002
FrĂĽhjahr 2004
letzte Jahre
Quintessenz
Stabilisierung
Medikamente
Schwerbeh.-Ausweis
Gleichstellung
Diät
Sport
Appell
Hoffnung
Danksagung

Erfahrungen

EINLEITUNG
Um direkt Missverständnissen vorzubeugen:

Schizophrenie hat nichts mit Bewußtseinsspaltung (zwei Persönlichkeiten) zu tun. Dies wird durch falsche Darstellungen; z.B.: im Kino und anderen Medien häufig angenommen. Auch Anwendungen von Gewalt ( Eigen - und Fremdgefährdung) sind nur genauso häufig, wie im sonstigen Mittel der Bevölkerung.

Meine Einstellung (Sichtweise) in meinen frĂĽhen Krankheitsjahren zur Psychose:

Die Psychose ist eine Stoffwechselerkrankung des Gehirns, die aufgrund
genetischer Veranlagung und einer Belastungssituation entstehen kann.

Ein Botenstoff (Dopamin) wird dabei im Gehirn zu stark ausgeschĂĽttet.

Meine heutige Einstellung ist weniger biologistisch (und lautet wie folgt):
Psychose (Schizophrenie) ist eine bio – psycho – soziale Erkrankung.

Gerade deshalb kann man bei ihr, mit Projekten der Selbsthilfe und sowie, durch Gespräche mit Beratern (im weitesten Sinne) , sehr viel zur Verbesserung der seelischen Befindlichkeit erreichen!!!

Gerade das Stigma, vor allem bei Schizophrenie, kann man mit Fug und Recht, als zweite Krankheit, neben der eigentlichen, beschreiben. Deshalb macht es sehr großen Sinn, sich in Projekten, wie zum Beispiel einer SHG (Selbsthilfegruppe) Antistigma zu engagieren. Ich profitierte im Verlaufe meiner Erkrankung massiv davon, nämlich im sehr positiven Sinn.
Im Verlauf der weiteren Jahre (siehe bitte gerne auch Text, unten)
konnte ich mich regelrecht am „Antistigma“ bereichern.

Das heißt aber bitte nicht, das es der „Königsweg“ zur Gesundung ist, es ist e i n Weg.

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KRANKHEITSAUSBRUCH

Nach dem 20.06.1993 änderte sich mein Leben. An diesem Tag erlitt ich einen Nervenzusammenbruch. Die medizinische Krankheit, die hier ausbrach nennt man
Psychose oder Schizophrenie.

Vollkontinuierliche Wechselschicht in der Firma: 3 Wochen Arbeit mit 1. Woche
 FrĂĽhschicht, 2. Woche Spätschicht und 3. Woche Nachschicht ohne Unterbrechung,
dazwischen Sonntags 12 Std. arbeiten, dann erst eine freie Woche, nebenher Meisterschule und Geburt meines Kindes, sowie ein familiärer Zwist waren zuviel für mich.

Der 20.06.1993, der Tag des Ausbruchs der Krankheit war geprägt von Halluzinationen, Fehlinterpretationen und chaotischer Handlungsweise, auf die ich nicht näher eingehen will.

Entscheidend ist, dass ich in der Nacht zum 21.06.1993 hoch psychotisch in die Psychiatrie der Stadt eingewiesen wurde.

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 MEDIZINISCHE REHABILITION I

(geschlossene Station = geschlossene TĂĽr)

In der Folge meiner erlittenen Psychose wurde ich im Bett fixiert, d.h. gefesselt. Es setzte eine Zwangsmedikation ein, gegen die ich mich damals sehr sträubte.

Nach ca. 3 Wochen Aufenthalt auf dieser geschlossenen Station, hatte sich mein Zustand so weit normalisiert, das die Hauptsymptome abgeklungen waren.

Ich hatte eingesehen, dass ich Medikamente nehmen musste.

Die Verlegung auf die offene Station folgte.

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MEDIZINISCHE REHABILITATION II
( offene Station = offene TĂĽr)


Ich wurde im Anschluss an die geschlossen Station in der offenen Station weiterbehandelt, nahm an Gruppenaktivitäten, wie Gesprächskreise z.B.: zum

Thema Psychose, großen Therapiegesprächen, Beschäftigungs-, Tanz-, Arbeits- und
Bewegungstherapie, teil. Jedoch nahm ich durch einen groĂźen Appetit, der durch die
Medikamenteneinnahme verursacht wurde, zu. So steigerte sich mein Gewicht von 77 auf 112 KG bei 1,84 m Körpergröße.

Nach 3 Monaten wurde ich entlassen.


ARBEITSVERSUCH

Nach einer Zeit der Krankschreibung zu Hause ca. 3 Wochen, startete ich einen Arbeitsversuch nach dem sogenannten Hamburger Modell, der bei der Krankenkasse beantragt werden muss.

Die Arbeitszeit ist dann gestaffelt von 2-4 Std. Aufbau ĂĽber 3 Monate.

Dieser Arbeitsversuch im gewerblichen Bereich scheiterte leider. Er kam wahrscheinlich zu frĂĽh.

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REHAANTRAG

Da meine Frau sich in der Folge von mir trennte, zog ich, Mitte 1994, in meine
Geburtsstadt und stellte für diesen Ort einen Rehaantrag, der z.B. die Möglichkeit
der Umschulung eröffnet. Beim
Arbeitsamt wurde dieser nach ca. einem ½ Jahr genehmigt.



 ARBEITSLOSIGKEIT

Ich durfte keine Schichten mehr machen. Und wurde auf Anraten des Arztes der Poliklinik in der Psychiatrie des Landeskrankenhauses von der Arbeit freigestellt (kündigte jedoch nicht). Zeiten, in denen ich bei 30°C im Sommer mit Wolldecke über den Kopf im elterlichen Wohnzimmer lag, häuften sich. Die Sportzeitung wurde zum wöchentlichen Highlight.


 ZWISCHENDURCH

Ich orientierte mich auf einer Veranstaltung "Tag der offenen Tür" der örtlichen Psychiatrie am neuen Wohnort. Dort wurde ein
BTZ - ein berufliches Trainingszentrum fĂĽr psychisch Kranke vorgestellt, das bald eröffnet  werden sollte. Mein Reha-Berater beim Arbeitsamt riet mir zu einer solchen MaĂźnahme. Im Vorfeld arbeitete ich unentgeltlich im väterlichen Betrieb.

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BERUFLICHE ORIENTIERUNG

Am 1. Januar 1996 starte ich die MaĂźnahme im Beruflichen Trainingszentrum.

Ich hatte mich im vorhinein für den kaufmännischen Bereich entschieden. Die Maßnahme startete mit einer Orientierungsphase von 3 Monaten. Ein Wechsel in dieser Phase zwischen 4 Bereichen, war möglich.

Da ich viele Tätigkeiten für den Bereich Text / Druck machte, wechselte ich später in das Büro der dortigen Anleiter und verbrachte dort ein 4- monatiges, internes Praktikum.

Das vorgesehene Hauptpraktikum machte ich bei einem groĂźen Unternehmen in der
Kommunikationsindustrie-Branche im Rechnungswesen.

Die beabsichtigte Umschulung zum Industriekaufmann stand fĂĽr mich fest. Ich musste zuvor jedoch einen Test beim
Arbeitsamt bestehen, der Voraussetzung dafĂĽr war.

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 UMSCHULUNG

Die Umschulung in einem
Berufsförderungswerk startete in Dezember 1996.

Die Ausbildung war handlungsorientiert und fand häufig im Team statt. Das heißt man erarbeitete sich selbst die Themen.

Da ich vor den Ferien sehr erschöpft war, begab ich mich in Psychotherapie bei der
dortigen Psychologin. Da sich die Behandlung fĂĽr mich zu tief gehend entwickelte, geriet ich in die zweite  Psychose, die jedoch ambulant therapiert werden konnte.

Ich kam zurück. Das Praktikum absolvierte ich bei einer kleineren örtlichen Farben –Fabrik. Der Abschluss der Ausbildung gelang.

Freude mit Tränen !!!

 
ERNEUTE ARBEITSLOSIGKEIT

Doch meine ursprĂĽngliche Firma konnte mich da noch nicht gebrauchen.

Deshalb jobbte ich im
BTZ als Projekt-Anleiter und arbeitete später nebenher zur
Aushilfe bei einem anderen Unternehmen der Kommunikationsindustrie. So konnte ein erneute Wiedererkrankung abgewendet werden.


BERUFLICHER WIEDEREINSTIEG

Um Ostern 1999 überschlugen sich die Ereignisse. Eine Arbeitsmöglichkeit hätte sich beinahe ergeben. Da hatte ich die Möglichkeit eine Frau zu vertreten, die Erziehungsurlaub genommen hatte.

Ich landete im Einkauf meiner alten Firma / Stelle: Planung und Statistik.

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RĂśCKFALL

Die Tätigkeit klappte zunächst gut. Da aber die Systeme umgestellt wurden, war es später problematischer. Die Kollegin sollte wiederkommen und ich bewarb mich intern. Wurde aber aus Unsicherheit um den Job wieder psychisch krank

( 3. Psychose).

Es folgte eine Zeit in der offenen Station eines allgemeinen Krankenhauses. Später nach ca. 6 Wochen Übergang in die Tagesklinik. Tagsüber ist man dort, zum Feierabend zu Hause.

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BERUFLICHES ETABLIEREN

Nach etlichem Hin- und Her erbarmte sich ein älterer Abteilungsleiter und ich bekam einen Job als Sachbearbeiter im Controlling des ehemaligen Unternehmens. Einstieg nach Hamburger Modell, nach Umbesetzung fülle ich diesen Job nun seit

11/2000 aus.


KRISE & CHANCE 2002

Im Dezember 2002 hatte ich meine letzte Krise, die ich mit 2 Wochen krankfeiern und

einer moderaten Medikamentenerhöhung überstanden habe. Ich habe mittlerweile die Verantwortung für die Auszubildenden und Praktikanten der Abteilung und meine Sachverantwortlichkeit ist auch schon wieder gestiegen.


FRĂśHJAHR 2004

Ich nehme um Durchschlafen zu können 15mg Truxal. Dem leichten Gefühl von Feindseligkeit (Gefühl: Andere könnten über einen lachen)
begegnete ich mit meinem Bedarf (Mittagsgabe) von 200 mg Solian. Sonstige Dosis 600 mg.


LETZTE JAHRE

Sommer 2004:

Nehme auf Anraten meines Arztes 700 mg Solian.

Bedarf zusätzlich Akineton, geringste Dosis gegen gelegentliche Augenkrämpfe. Die Augenkrämpfe sind eine Nebenwirkung der Medis. Ansonsten tut auch Ruhe sehr gut.

Sommer 2004 – Herbst 2007

Ich hatte zuletzt keine Augenkrämpfe mehr.

Meine Medikamenteneinnahme, siehe unter Medikamente, ansonsten:

April 2006:

SchlieĂźe mich einer Volkspartei an.

Herbst 2006:

Habe anhaltend Knie – Probleme (Patella – Spitzensyndrom), trete deshalb zusätzlich zum Laufverein, in einen Walking – Verein ein.

ab September 2006:

Habe häufig mit Erschöpfung zu tun. Deshalb auch – später - Krankschreibung.

Juni 2007 + Juli 2007

Mache eine psychosomatische Kur.

ab Ende Oktober 2007

Habe mich immer besser „gefunden“!!!

Werde weiter gut psycho-sozial beraten, - die Selbsthilfe, - Antistigma tut ein Ăśbriges. Distanziere mich wieder von der Volkspartei. Trete der DGSP (Deutsche Gesellschaft
Soziale Psychiatrie) bei.

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QUINTESSZENZ

Ist das nun das endgĂĽltige GlĂĽck ?

Als psychisch Kranker kann man nie "Hipp, Hipp, Hurra...!!" schreien...

Es werden weiterhin Anstrengungen nötig sein, um einen Krankheitsausbruch zu verhindern. Besonders auf emotionale Schwankungen werde ich achten müssen.
Schlaf ist sehr wichtig.
Aber ich liebe dieses, mein einziges Leben und werde mich der Herausforderung stellen.

Dann wird's schon...


STABILISIERUNG

Sie erfahre ich durch entlastende Gespräche mit dem Sozialmanagement der Firma, sowie mit dem
"Berufsbegleitenden Dienst".

MEDIKAMENTE

Anfangs bekam ich das Psychopharmaka Risperdal 8 ½ Jahre ein a- typisches Medikament. Nun Solian, mit dem ich mich noch einmal 20 % besser fühle. Es verbessert sehr gut die Negativ- Symptomatik, d, h . ist gut gegen

Antriebsschwäche.

Mein Bedarfsmedikament heiĂźt Truxal, und kann in Belastungssituationen zur Stabilisierung eingenommen werden.

2006-2007

Nehme 600 mg Solian (200 mg Bedarf !) , 2,5 mg Zyprexa (hilft mir erfolgreich, gegen Feindseligkeit !!) , und: 1,5 Tablette Nervoheel (homöopathisch) zur Nacht zum Schlafen, da Solian, u.a. auch eine gefühlte Unruhe macht.

Letzter Stand beim Thema: Medikamente:
Es soll hier aber auch nicht verschwiegen werden, dass Medikamente Nebenwirkungen
und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.
Ich will sie, die Medikamente, hier, aber weder die „in den Himmel heben“, noch will ich sie „verteufeln“. ICH habe jedoch gute Erfahrungen MIT Medikamenten – Einnahme gemacht.

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SCHWERBEHINDERTENAUSWEIS

Ich beantragte ihn nach meinem ersten RĂĽckfall auf der Arbeit.

(-> örtl. Versorgungsamt)

Erst 40 % nach Widerspruch 50%, habe ich erhalten.


GLEICHSTELLUNG

Nach der weiteren Genesung wurde der Grad der Behinderung zurĂĽckgestuft.

Nun habe ich 30 % (G.d.B.) Grad der Behinderung und bin gleichgestellt mit
50 % - Leuten, d.h. erhöhter Kündigungsschutz. ( Antrag beim örtl.
Arbeitsamt)

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DIĂ„T

Aufgrund meiner fett- und zuckerarmen Ernährung konnte ich mein Gewicht auf nun kontinuierlich ca. 88 KG reduzieren.

DIĂ„T (in den letzten Jahren) :

Ich nahm leider wieder zu. „Essen und Trinken, hält Leib und Seele zusammen !“
Ich kann nur sagen: Ja, so isst es !!!


SPORT

Das schönste an meinem wiedererlangten Kampfgewicht ist, dass ich wieder meinen geliebten Ausdauersport betreiben kann. Seit März 2004 laufe ich nach sieben Jahren wieder und bin im Mai des Jahres einem tollen Laufverein, den

Rennschnecken 2000, beigetreten. Hier begegnet man mir mit Toleranz und motiviert sich gegenseitig zu neuen Bestzeiten.
Leider gibt es für mich an einigen Tagen leichte Einschränkungen beim Laufen: Mache ich mir zuviel Druck, wird in der Folge mein Blick unscharf.

APPELL

Ich weiss, das sich 10 % der Psychose- Patienten in den ersten 10 Jahren nach der Ersterkrankung das Leben nehmen.
Ich möchte euch bitten, lasst den Sch...!!!
Packt lieber an und macht was aus eurem Leben!!!!!

HOFFNUNG

Ich hoffe, ich konnte und kann euch mit den Infos ĂĽber meinen Weg helfen. Bitte empfehlt meine Seite, wenn sie euch gefallen hat.

Danke fĂĽr eure Aufmerksamkeit !

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DANKSAGUNG

Abschliessend möchte ich allen danken, die mich auf diesem Weg begleitet haben:

Meinem Sohn, es war nicht immer leicht; meiner tollen Familie; wohlwollenden Verwandten; hervorragenden Freunden; wichtigen Bekannten; netten Kollegen; meiner Firma, die mir trotzdem (fast) immer das Gefühl gab, dazuzugehören; Autoren guter Fach- und Sachbücher, den vielen Profis, die meinen Weg kreuzten; Sachzeitschriften zur Erkrankung ; sowie den zahlreichen gute Wissenschaftlern, die z.B. so gute Medikamente erfunden haben und allen die ich hier vergessen habe...

...Danke, ihr ward und seid toll...!!!!!!
!

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